Kontakt
JugendReferat des Landes OÖ
4021 Linz, Bahnhofplatz 1
Telefon: (+43 732) 7720-15519
Fax: (+43 732) 7720-216330
Mail: jugend.bgd.postooe.gvat
PÄDAGOGISCHES ÜBER COMPUTERSPIELE

- Machen PC-Spiele aggressiv?
SÜCHTIGE KINDER - RATLOSE ELTERN?
Wir leben in einer Zeit, in der Computer, Mikrochips, Tele-kommunikation und elektronische Medien einen sehr hohen Stellenwert in der Arbeits- und Freizeitwelt eingenommen haben.
Der Computer erfreut sich bei Kindern und Jugendlichen einer stetig steigenden Beliebtheit.
FLEISSIGER MARKT
Aus der oö. Kinder- und Medien-Studie 2006 geht hervor, dass bereits 70 % der 6- bis 10-jährigen zuhause Zugang zu einem PC haben. Nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität nimmt ungeahnte Ausmaße an.
So kann man davon ausgehen, dass pro Tag durchschnittlich 2 - 3 neue Computerspiele auf den Markt kommen.
MOTIVE DER KIDS
Es stellt sich also die Frage, was können Computerspiele, was andere Spiele nicht können bzw. was machen sie für Kinder und Jugendliche so attraktiv und welche Motive sind es, die Kinder und Jugendliche zum Computerspiel greifen lassen:
- Spielgerät wird zum Spielpartner
- Möglichkeit der aktiven Kontrolle
- Ton und Grafikeffekte
- Zufallskomponenten
- Geschwindigkeit
- Relativer Neuigkeitswert des Computers
- Automatische Spielstandsanzeige - Feedback
- Macht und Ansehen
Abgesehen von all diesen Punkten, spielt ein Motiv gerade bei Jugendlichen eine wesentliche Rolle: Die Einstellung vieler Erwachsener zum Computer.
Viele allerdings heute schon ältere Erwachsene assoziieren mit dem Wort Computer Unverständnis, Ratlosigkeit, Kapitulation, ja sogar Tabu und Horror.
Es macht Jugendlichen daher sicherlich bewusst oder unbewusst Spaß, mit dem Tabu zu spielen, es zu brechen, Erwachsene zu provozieren bzw. ihnen ihre Macht, sprich ihren Wissensvorsprung auf dem Gebiet der Computertechnik, zu demonstrieren. Hier gibt es ein Betätigungsfeld, das nicht sofort Minderwertigkeitsgefühle gegenüber der Erwachsenenwelt heraufbeschwört.
Zwei weitere Motive, die vielfach verdrängt werden, aber oft die Hauptursachen für den Griff zum Joystick, zur Maus oder zur Tastatur darstellen, sollen hier nicht vergessen werden. Es sind dies Neugierde und Langeweile.
Bald jedoch wird jene Generation selbst erwachsen sein und ihrem Erziehungsauftrag nachkommen, die mit der Maschine "Computer" genau so selbstverständlich aufgewachsen ist, wie die heutige Elterngeneration mit dem Fernseher und teilweise mit dem Videorecorder.
ARGUMENTE
Pro-Argumente:
- Computerspiele schulen die motorische Geschicklichkeit, die Reaktionsgenauigkeit und -geschwindigkeit und fördern die Konzentration bzw. die räumliche Vorstellungskraft
- Eine spielerische Einführung in die Welt der EDV
- Der Computer ist ein idealer Spielpartner
- Computerspiele stärken das Selbstvertrauen
- Computerspiele fördern die Kommunikation
Kontra-Argumente:
- Vereinsamung ("Computer-Autismus")
- Suchtverhalten
- Der Computer fördert körperliche Schäden
- Computerspiele zerstören die herkömmlichen Kommunikationsstrukturen
- Computerspiele machen aggressiv
VORURTEILE
Gerade das letzte Gegenargument ist ein schönes Beispiel, an dem sich die Widersprüchlichkeit der Forschungsergebnisse hinsichtlich der Auswirkungen von Computerspielen zeigen läßt. Denn es ist auf Grund der vorliegenden Studien keineswegs sicher, ob Bildschirmspiele überhaupt Aggressionen erzeugen und vermehren (ganz abgesehen davon, dass nicht alle Bildschirmspiele aggressiv sind und nicht alle Bildschirmspieler aggressive Spiele bevorzugen).
Es geht nun darum, nicht zu übersehen, dass die sicherlich auch zu beobachtenden negativen Auswirkungen von Computerspielen eigentlich nur Symptome sind für eine tieferliegende Ursache, begründet im sozialen Umfeld der betroffenen Kinder und Jugendlichen.
Bevor man über exzessives Spielen am Computer erschrickt, sollte man sich lieber fragen, warum alternative Freizeitangebote nicht wahrgenommen werden bzw. ob diese überhaupt für den betreffenden Personenkreis vorhanden sind.
Denn die Gefahr, den Computer als willkommenen "Babysitter" zu missbrauchen, ist eine nicht zu unterschätzende Versuchung. Mangelnde Zeit und Zuneigung der Eltern lässt sich möglicherweise über den bequemen Weg des Computerankaufs sehr leicht ausgleichen.

