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JugendReferat des Landes OÖ
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RICHTIGE AUSWAHL

- Mag. Christian Brauner, Spielpädagoge
EMPFEHLEN STATT VERBIETEN
Um das Handeln der Bürger in verschiedenen Bereichen zu regulieren stehen dem Staat prinzipiell zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Gezielte Förderungen auf der einen und Ge- bzw. Verbote auf der anderen Seite.
ORIENTIERUNGSHILFE STATT BEWAHR-PÄDAGOGIK
Dafür mögen als Beispiele aus der jüngeren Geschichte die Kommissionen für Buch und Film, die eine ähnliche parallele Entwicklung in dieser Frage gezeigt haben, dienen.
Im Jahr 1994, 48 Jahre nach ihrer Gründung, formulierte die Österreichische Jugendschriften-Kommission:
"Die Empfehlungsliste hat nicht den Charakter einer pädagogisch-literarischen Unbedenklichkeitsbescheinigung, sondern will Orientierung im Bereich fiktionaler Kinder- und Jugendliteratur sowie im Bereich des kinder- und jugendbezogenen Sachbuchs geben...
In die Empfehlungsliste Aufgenommenes soll damit über den Durchschnitt der Produktion hinausgehenden inhaltlichen und formalen Ansprüchen genügen. Eine negative Klassifizierung nicht aufgenommener Bücher im Wege des Umkehrschlusses ist seitens der Kommission für Kinder- und Jugendliteratur nicht beabsichtigt."
TECHNIK UND ÜBERWACHUNG
Auf elektronischem Weg oder über Raubkopien kann heutzutage jeder Jugendliche, der sich etwas darum bemüht, jedes gewünschte Spiel erhalten.
Wenn nicht in sehr rigider (und bildungspolitisch sicherlich nicht gewünschter) Weise die Möglichkeiten zur Nutzung elektronischer Netze beschnitten werden, kann nicht verhindert werden, dass sich ein Jugendlicher die gewünschte Software jedenfalls aus dem globalen Netz holt.
WERBUNG
Indizierte Spiele erregen sicherlich die Aufmerksamkeit gerade jener Zielgruppe zu deren Schutz man indiziert. Nicht wenige Spieler/-innen beschaffen sich jene Spiele, die in der BRD neu indiziert wurden, da sie annehmen, diese seien für sie besonders attraktiv.
WIRKUNGSFORSCHUNG
Eine Rechtfertigung des Verbots würde sich aus dem wissenschaftlich haltbaren Nachweis für die Schädlichkeit von Computerspielen ergeben. Langfristige negative Auswirkungen von Computerspielen auf Kinder und Jugendliche sind jedoch wissenschaftlich nicht belegt – was jedoch nicht bedeutet, dass negative Wirkungen völlig auszuschließen sind.
Anzumerken bleibt ferner, dass sich aus dem Vergleich der statistischen Daten über österreichisch und deutsche Jugendliche keinerlei Anzeichen dafür ergeben, dass österreichische Jugendliche wesentlich brutaler, gewalttätiger ect. sind als deutsche, obwohl es in Österreich weder ein Indizierungsverfahren noch eine Altersfreigabe als Regulativ gibt.
Tatsächlich deuten soziologische und psychologische Untersuchungen über jugendliche Gewalttäter eher an, dass eben diese Jugendlichen Gewalt am eigenen Leib verspürt haben, längst bevor sie Gewalt in den Medien überhaupt wahrgenommen haben konnten. Allerdings bleibt zu bedenken, dass Gewalt in den Medien bei solchen Jugendlichen die Meinung bestärken kann, überall in der Welt sei Gewalt das einzige Mittel, um sich durchzusetzen.
MARKTBEEINFLUSSUNG
Aufgrund der bisher gesammelten Erfahrungen mit der Verwendung von Empfehlungslisten durch einzelne Händler und Kund/-innen besteht - zumindest was den österreichischen Markt betrifft - eine gute Chance einen positiven Einfluss auszuüben.
BEGUTACHTUNGSVERFAHREN
Das von ACOS verwendete Begutachtungsverfahren prüft in der Vorbegutachtung Spiele mit offensichtlich sexistischem, gewaltverherrlichendem oder diskriminierendem Inhalt (Baller-, Erotikspiele und Kriegssimulationen ect.) oder Spiele, die gravierende technische Mängel haben, nicht näher.
Die eigentliche Begutachtung ist ein ganzheitlicher Prozeß, in dessen Verlauf sich zwei unabhängige Gutachter(-innen intensiv mit dem Spiel auseinandersetzen und dabei u.a. folgende Kriterien berücksichtigen:
Kriterien
- Kooperation: Spiele sollen die gemeinsame Bewältigung von Aufgaben ermöglichen
- Kreativität: Vielfältige Wege zu einem Spielziel sollen vorgesehen sein
- Ästhetik: Wie wird das Spiel graphisch dargestellt?
- Spielkonzept: Bewährung in unheilvollen Situationen statt Krieg und Aggression
- Spielanlage: Lernen und Leistungsmotivation
- Motorik: Einstellbare Schwierigkeitsgrade, Pausen
- Zielsetzung: aufbauend statt zerstörend
- Zeitgemäße Geschlechterrollen: positive Identifikationsmöglichkeiten für Buben und Mädchen
- Technische Standards: Qualität des Programms (Bild; Ton, Speichermöglichkeit ect.)
- Motivation: macht das Spiel Spaß und motiviert zum Weiterspielen?
Die Ergebnisse der Begutachtungen können auf der Homepage von ACOS www.acos.at nachgelesen werden.
WAS MACHT EIN GUTES COMPUTERSPIEL AUS ?
Es sollte:
- auch von mehreren Spielern/innen gleichzeitig gespielt werden können
- jederzeit speicherbar sein
- einstellbare Schwierigkeitsgrade anbieten
- über eine zeitgemäße Graphik und das Spielgeschehen unterstützende Tonausgabe verfügen
- möglichst viele Lösungswege anbieten
- die eigene Kreativität anregen
- positive Identifikationsmöglichkeiten für Buben/Männer und Mädchen/Frauen anbieten
- möglichst vielfältige Aufgaben enthalten
- eine konstruktive, aufbauende Strategie verfolgen
- vor allem aber eines: SPASS MACHEN
10 TIPPS FÜR ERZIEHENDE: COMPUTER- UND KONSOLENSPIELE
1. Ist es für die Entwicklung meines Kindes besser, wenn es keine Computerspiele spielt?
Computerspiele sind ein Bestandteil unserer Lebenswirklichkeit. Es ist deshalb sinnvoll, wenn Kinder mit dem Medium umgehen lernen. Zudem gibt es viele pädagogisch empfehlenswerte Spiele, mit denen das Lernen der Kinder und ihre Entwicklung gefördert werden können. Deshalb sollte es Kindern nicht verwehrt werden, Erfahrungen mit Computerspielen zu machen.
2. Was muss ich beim Kauf eines Computerspiels beachten?
Kaufen Sie nur Spiele, über die Sie sich vorher informiert haben. Es schadet auch nicht, sich mit dem Kind über diese Spiele zu unterhalten und sich erklären zu lassen, worum es darin geht bzw. warum es gerade dieses Spiel sein soll. Eine gewisse Richtschnur können auch entsprechende Alterskennzeichen auf den Packungen sein (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle USK und PEGI). Diese sind jedoch keine pädagogischen Empfehlungen, sondern Alterskennzeichnungen und sagen somit nichts über die Komplexität der Spiele aus.
3. Was leisten pädagogische Empfehlungen zu Computerspielen?
Pädagogische Empfehlungen informieren darüber, für welches Alter das Spiel z.B. aufgrund der intellektuellen und motorischen Fertigkeiten, die verlangt werden, geeignet ist, ob es Spielspaß bringt und ob es Fähigkeiten fördert bzw. Kenntnisse vermittelt.
Wo Sie pädagogische Empfehlungen zu Computerspielen finden, darüber informieren wir Sie unter Empfehlenswertes: Computer- & Konsolenspiele.
4. Was kann ich tun, um mein Kind sinnvoll an Computerspiele heranzuführen?
Wenn Kinder ihre ersten Computerspiele spielen, sollten Eltern und Erziehende sie darin unterstützen und sie begleiten. Beobachten Sie, wie Ihr Kind reagiert: Spielt es mit Spaß? Lernt es dabei? Verliert es schnell die Lust? Entwickelt es aggressive Verhaltensweisen? Je jünger Kinder sind, desto eher empfiehlt es sich, ihnen pädagogisch empfehlenswerte Software zur Verfügung zu stellen. Es gibt ein reiches Anbot solcher Software, die Lernen und Spielspaß verbindet.
Nach den ersten Grundschuljahren kann man den Kindern Schritt für Schritt größere Freiräume in der Auswahl von Computerspielen und bei zeitlichen Vorgaben einräumen, damit sie lernen, selbständig und selbstverantwortlich damit umzugehen.
5. Wie kann ich vermeiden, dass mein Kind durch Computerspielgewalt beeinträchtigt oder gefährdet wird?
Informieren Sie sich über die Spiele, die Ihr Kind spielt. Es ist wichtig, hin und wieder auch beim Spielen dabei zu sein. Ihr Kind wird sich freuen, wenn Sie auch einmal eine Sequenz oder einen Level durchspielen und so kundig mit ihm über seine Erfahrungen mit Computerspielen reden können. Sie bleiben so in Kontakt mit der Spielewelt Ihres Kindes und können reagieren, wenn es Probleme gibt. In aller Regel bekommen Sie dann auch mit, wenn Ihr Kind ein Spiel spielt, das für sein Alter nicht freigegeben oder indiziert ist. Erläutern Sie Ihrem Kind, warum solche Spiele nicht geeignet sind und warum Sie eine Nutzung nicht erlauben. Es ist zwar rechtlich zulässig, dass Eltern auch für das entsprechende Alter nicht freigegebene Spiele Ihrem Kind überlassen. Dies ist aber nicht zu empfehlen.
6. Wie viel Zeit sollten Kinder höchstens mit Computerspielen verbringen?
In der Vorschulzeit und den ersten Grundschuljahren (7-8 Jahre) sollten Kinder täglich nicht mehr als eine halbe Stunde am Computer verbringen. In späteren Jahren können Sie schrittweise eine höhere Spieldauer zulassen. Mit Kindern über zehn bis zwölf Jahren sollten Sie gemeinsam Zeitgrenzen vereinbaren. Bei der Vereinbarung von Spielzeiten sollte der Video- und Fernsehkonsum mit berücksichtigt werden.
7. Was sollten Eltern und Erziehende beachten, wenn sie Regelungen für die Spielzeit treffen?
Mit vorher gemeinsam vereinbarten Grenzen haben Kinder und Jugendliche es leichter, eine sinnvolle Nutzung von Computerspielen zu erlernen. Sie erfahren, dass sie selbst die Verantwortung dafür haben, rechtzeitig an einer im Spielverlauf sinnvollen Stelle ein Spiel zu beenden. Wenn Eltern dagegen ein Computerspiel an einer beliebigen Stelle unterbrechen, etwa weil das Kind "kein Ende findet", kann dies dazu führen, dass bestimmte Spielfortschritte verloren gehen. Spielzeitbegrenzung wird dann mit negativen Erfahrungen verbunden.
Die Vereinbarungen über die Spielzeit sollten vor allem für ältere Heranwachsende in der Regel ein Wochenbudget und keine einheitliche tägliche Höchstgrenze vorsehen. Nicht nur unterschiedliche Schul- oder Freizeitverpflichtungen an einzelnen Wochentagen sprechen dafür. Aufgrund des Spielablaufes von bestimmten Computerspielen (z.B. Strategiespielen) kann es sinnvoll sein, längere Spielphasen zu ermöglichen. Für andere Tage sollten dann kürzere Nutzungszeiten oder der Verzicht auf Computerspiele vereinbart werden.
8. Gibt es Zeiten, in denen Kinder nicht am Computer spielen sollten?
Um den Schlaf nicht zu beeinträchtigen, sollte nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen am Computer gespielt werden. Auch nach der Schule oder den Hausaufgaben sollte zunächst eine Pause eingelegt werden, bevor Computerspiele genutzt werden.
9. Ist es ein Zeichen von Computerspielsucht, wenn mein Kind viel am Computer spielt?
Ein neues, attraktives Computerspiel zieht den Spielenden zunächst in seinen Bann. Wenn Spielende das Spiel näher kennen gelernt und wiederholt Erfolge erzielt haben, flaut das Interesse zumeist ab. Eine phasenweise intensive Beschäftigung mit dem Computerspiel muss deshalb noch kein Grund zur Sorge sein. Gesundheitliche Beeinträchtigungen, die Vernachlässigung schulischer oder häuslicher Pflichten, der Verlust sozialer Kontakte oder der Verzicht auf sonst regelmäßig ausgeübte sportliche Betätigung deuten aber auf schwerwiegende bestehende Probleme hin. Nehmen Sie in diesen Fällen Kontakt zu Fachleuten der örtlichen Suchtberatungsstellen (Computerspielsucht, Medienabhängigkeit) oder im Internet (Beratung und Informationen bei Medienabhängigkeit (Computerspielsucht, Internetsucht) auf.
10. Was ist sonst noch zu beachten?
Bewegung und frische Luft sind für die Entwicklung Ihres Kindes ebenso wichtig wie musische und kreative Betätigung oder gemeinsames Spielen mit Gleichaltrigen. Eltern sollten deshalb gezielt solche Aktivitäten fördern.

